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05.09.2022

15. Sitzung

»Ich weiß, dass die Tür zu war«

In der öffentlichen Sitzung des Hanau-Untersuchungs­ausschusses am 5. September 2022 wurden drei Polizist*innen als Zeug*innen gehört, die in der Nacht nach dem Anschlag und am folgenden Tag am Tatort Arena-Bar eingesetzt waren. Zwei der drei Beamt*innen gaben an, dass sie im Rahmen ihrer Tatortarbeit versuchten die Notausgangstür in der Arena-Bar zu öffnen, diese jedoch geschlossen gewesen sei. Diesem Umstand schenkten sie jedoch keine weitere Beachtung. Ebenso wurde bekannt, dass die Ermittler*innen vor Ort nur oberflächlich arbeiteten, den Tatort nur »in Augenschein nahmen«, da sie erwarteten, andere Polizeikräfte würden noch eine detaillierte Tatortbefundaufnahme durchführen. Dazu kam es jedoch nicht. So wurde auch die verschlossene Notausgangstür nicht weiter untersucht.

Die erste in dieser Sitzung vernommene Polizistin Carola Z. erklärte eingangs, welche Rolle sie bei den Ermittlungen zum Tathergang in der Arena-Bar hatte. Eigentlich bearbeite sie Sexualdelikte, sei aber am 20. Februar morgens mit einem Kollegen zur Arena-Bar gerufen worden, um die Polizist*innen, die nachts über dort waren, abzulösen und den Tatort zu sichern. Eine Übergabe mit einem Auftrag, was am Tatort zu sichern oder zu überprüfen war, habe es nach ihr nicht gegeben. Sie seien lediglich als Ansprechpartner und zur Sicherung des Tatortes vor Ort gewesen. Dabei versäumten sie, wie sie berichtete, ein polizeiliches Sigel an der Notausgangstür anzubringen, wie sie es bei der Vordertür gemacht hatten. Das taten sie erst am nächsten Tag.

Die Notausgangstür im hinteren Bereich der Arena-Bar habe sie im Laufe des Tages kontrolliert. »Ich weiß, dass ich irgendwann festgestellt habe, dass diese Tür verschlossen ist« so Z. und bekräftigte dies nochmal: »Ich weiß, dass die Tür zu war«. Ob sie verschlossen war habe sie jedoch nicht geprüft, sie bekräftigte aber mehrmals, dass die Tür nicht aufging.

Nach der recht kurzen Befragung der Polizistin Z. wurde ihr Kollege Patrick Michael M. befragt. Er gehörte zu den Polizist*innen, die in der Tatnacht ab 2:30 Uhr vor Ort in der Arena-Bar waren bis ca. 7 Uhr. Dort machten sie gemeinsam mit der Rechtsmedizin die Leichenschau, fotografierten den Tatort und fertigten eine Skizze an. Laut Patrick M. wäre zwischendurch das LKA auch dabei gewesen und hätte eine 3D-Aufnahme des Tatorts gemacht. Ebenso wie seine Kollegin zuvor gab er an, getestet zu haben, ob die Notausgangstür verschlossen gewesen sei mit dem Ergebnis, dass sie sich nicht öffnen lassen konnte. Ob sie abgeschlossen sei konnte er nicht sicher sagen, das habe auch er nicht überprüft. Ihre Untersuchungen hätten sie nur in einem kurzen Bericht festgehalten, dass sei auch so mit Kolleg*innen abgesprochen gewesen. Seine Erwartung war, dass nach ihnen noch ein ausführlicher Tatortbericht geschrieben wird von der zuständigen Abteilung für Tötungsdelikte bei der Polizei Hanau. Dies ist scheinbar aber nie geschehen.

Zuletzt wurde der Kollege des vorherigen Zeugen KHK Ulrich Peter A. vernommen. Er gab das Gleiche wie sein Kollege zuvor wieder. Er selbst habe die Notausgangstür nicht kontrolliert, könne daher auch keine Angaben hierzu machen. Auch laut A. sei die Absprache gewesen, dass sie lediglich einen vorläufigen Tatortbefund erstellten, der später von anderen detailliert ausgearbeitete werden würde. Was sie gemacht hätten sei eher eine Inaugenscheinnahme gewesen, kein detaillierter Tatortfundbericht. Dies sei auch klar abgesprochen gewesen mit dem verantwortlichen Beamten der Polizei Hanau Herr Ma.

Nach der Befragung von A. endete die Sitzung.